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Wort zum Sonntag

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Kantate 2020

Siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker. Aber über dir geht auf der Herr und seine Herrlichkeit erscheint über dir.

Orgelvorspiel

Einzug mit der Osterkerze zum Orgelvorspiel. Die Osterkerze wird zur Musik auf den Osterleuchter gestellt und die Verheißung Jesu laut:

Christus spricht:

Ich bin das Licht der Welt.

Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind,

da bin ich mitten unter ihnen.

Orgel    EG 181.6 Laudate omnes gentes

Am Altar

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi + die Liebe Gottes + die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

Amen

Psalm 98 (im Wechsel unter den Liturgen)

Orgel   EG 608 Ubi caritas

 

 

 

Gebet
Heiliger Herr und Gott,
Du thronst über den Lobgesängen deines Volkes.

Diese Kirche ist aufgeladen und hallt wieder
von deinem Wort und dem Evangelium Jesu und dem Lobpreis
und dem Heilig, Heilig der Engel.

Das Haus der lebendigen Steine hat sich vollgesogen mit
unseren Liedern und Gebeten, mit Lachen und Weinen.

Du hörst nicht nur unser Lob.
Du hörst auch unser Bitten und Klagen.
Höre, was wir in der Stille vor dich bringen:
(Gebetsstille)
Danke, dass du bei uns in der Stille bist.
Unser Herz schlägt den Rhythmus
zum Lob deiner Herrlichkeit.
Unser Atem haucht dir zu:
Ehre sei Gott in der Höhe
und Frieden auf Erden.
Amen.

Orgel   NL 180 Meine Hoffnung und meine Freude

Aus dem Predigttext zum Sonntag Kantate 2. Chronik 5
Die Einweihung des Tempels

Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte:
»Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des HERRN, so dass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

 

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Liebe Gemeinde!

Wie lange wir auf diesen Tag gewartet haben! Ewig hat es gedauert und endlich ist die Stunde gekommen. Von nun an kann Gottesdienst gefeiert werden!

Und wie lange das Volk Israel auf diesen Tag gewartet hatte!
Die Israeliten steigen hinauf auf den Tempelberg - und halten die Luft an, als sie ihn sehen: Den Tempel! Wie er strahlt. Die goldenen Zinnen auf dem Allerheiligsten glitzern der Sonne entgegen. Sie wollten Gott eine Wohnung schaffen, oben auf dem Zion. Eine Wohnung, die ihres gleichen in der Welt suchen sollte. Und nun da sie davor standen waren sie sich sicher: ein schöneres Bauwerk konnte es nicht geben.
Wo, wenn nicht hier, an diesem wunderschönen Ort, sollte Gott wohnen?

Heute wurde all das gebracht, was Gott für seine Wohnung benötigte: Die Stiftshütte, die Bundeslade, das heilige Gerät. Um Gott wohlgefällig zu stimmen wurde auf dem Altar geopfert. Rinder, Schafe, Ziegen und Tauben. Und als der Rauch zu Himmel stieg, wussten sie, dass Gott sich über den Wohlgeruch freute.

Von nun an konnte Gottesdienst gefeiert werden!
Und: Gott zog ein. Das Haus der Herrn wurde von einer Wolke erfüllt und sie wussten: Er war da. Jerusalem könnte kein Unheil mehr widerfahren, denn Gott lebte mitten unter ihnen.
Sie waren in Sicherheit. Er war ihr Gott, der Gott des Volkes Israel und er lebte in ihrer Hauptstadt. Er lebte nur in ihrer Hauptstadt.
Wer Gott brauchte, der sollte hier her kommen, um ihn aufzusuchen.

Der Tempel. Der einzige Ort, wo Gott ist? Das Monopol auf Schutz? Diese Theorie sollte nicht allzu lange bestand haben.

587 vor Christus fiel der Tempel, er wurde brachial zerstört.
Das Haus Gottes stand nicht mehr.
Jerusalem, die uneinnehmbar geglaubte Stadt, sie lag in Trümmern.
Und das Volk fragte: „Wo ist Gott?“ Warum hatte er sie nicht beschützt? Ein Glaube in Trümmern.

 

 

Gott ist nicht bei uns“, sagten jene, die ins Exil nach Babylonien verschleppt worden waren, tausende Kilometer entfernt von Zuhause, umgeben von Fremdheit.
„Er hat uns verlassen.“
Unter den Verschleppten war ein junger Mann namens Ezechiel. Und Gott erschien ihm in Babylonien - fernab von Gottes Haus. Losgelöst von Zeit und Raum.
Und Ezechiel verstand: Gott ist nicht an einen Ort gebunden.
Gott ist dort, wo sein Volk ist.
Auch ohne Wohnstätte, ohne große Worte.
Mit Ezechiel im Leid des Exils.
Mit den Zuhause-Gebliebenen in der zerstörten Stadt. Gott ist mit uns.
Ist heute mit uns in der Kreuzkirche.
War mit denen, die den Tempel einweihten und jubilierten.
Mit uns in all den vergangenen Wochen, in denen kein Gottesdienst stattfinden konnte.
Mit den Verschleppten, die weit entfernt ihres Gotteshauses waren. Ein Gott, der mitgeht.

Aber als der Tempel eingeweiht wurde, da fand Gott doch Wohlgefallen an der Musik und an den erbrachten Opfern! Ein Volk im Glücksrausch! Mit Zimbeln und Trompeten priesen sie ihn!

Lobsingen, opfern, beten.
Je länger, je mehr wurde der Gottesdienst zum einzigen Mittelpunkt.
Eine einfach Gleichung: Dort, wo Gott wohnt, wird er gepriesen.
Gott im Tempel loben als einzige Aufgabe des Menschen. So dachten es viele. Aber reicht das aus?
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der ist es vielmehr nur die eine Seite der Waage?
Die Seite, der zu verfallen leichter fällt.
Und die andere Seite der Waage?
Vielleicht gerade weil sie so viel leichter vergessen wird, wird sie in der Bibel immer und immer wieder betont: Gottesdienst als Dienst am Nächsten:

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Pfarrer Juri Dörsam

 

Sei da, für deinen Nächsten! Es braucht offene Augen und ein weites Herz!
Was ihr dem geringsten unter euch getan habt, das habt ihr mit getan!
Dienst am Nächsten als vollwertiger Gottesdienst.
Und doch braucht es im Leben beides:
Die Punkte der Ruhe, das Krafttanken, gemeinsames Beten, gemeinsames Hören auf Gottes Wort. Und das Hinaustragen von Gottes Wort in die Welt. Da-sein: Für andere, mit anderen. Mit Menschen wachsen, einander zu Seite stehen und füreinander eintreten.
Gott ist mit uns in der Kirche.
Gott ist mit uns, wenn wir für andere da sind.
In den letzten Wochen hat eine Seite der Waage gefehlt, die eine Waagschale musste leer bleiben. Keine Einkehr, kein gemeinsames physisches Gebet, kein Gottesdienst.
Dafür wurde die andere Waagschale mehr denn je befüllt:
So viele Initiativen des Füreinander-Daseins, der Nächstenliebe und der Zuwendung!
Es hat nicht gefehlt an Momenten, in denen Gott da war, in mitten des Dienstes am Nächsten. Ein Gott, der mitgeht.
Und wenn wir heute unsere ganz eigene „Wiedereinweihung“ feiern, dann geschieht das in dem Wissen, dass Gott und Gottesdienste uns auch in den letzten Wochen begleitet haben. Er war da. Und er ist da.
Heute dürfen wir diese Zusage wieder laut hören. Dürfen die Osterkerze entzünden und seinen Zuspruch hören:
Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende. Amen.

 

Orgel/ Musik

Fürbitten

Großer Gott,

 

Fürbitten

Großer Gott,
Du begleitest uns durch das Leben.
Dafür danken wir dir.

Wir bitten dich:
Segne alle, die das Lob deiner Herrlichkeit anstimmen,
mit ihrem Einsatz für den Frieden in der Welt,
mit ihrem Mut zur Überwindung des Bösen,
mit ihrer Weisheit und Weitsicht in Kirche und Politik.

Stärke alle, die das Lob deiner Liebe zum Tragen bringen,
auf den Stationen der Krankenhäuser und in den Praxen,
in den Häusern der Einsamen und Trauernden,
im Leben von Hilfsbedürftigen und Krisengeschüttelten,
durch treue Fürsorge, geduldiges Tragen und Ertragen.

Behüte alle, die das Lob deiner Gerechtigkeit wagen,
mit ihrem Bemühen um eine gerechte Verteilung der Güter und Lebenschancen in der Welt,
mit ihrem Bestreben, gerechtes Urteil zu sprechen und Menschen zurecht zu bringen,
mit dem Einsatz ihres Lebens in Krisengebieten,
mit ihrem ehrenamtlichen Engagement für andere Menschen.

Begleite uns alle, dass wir leben –
den Menschen zum Segen und dir zur Ehre.
Vater Unser

Segen

Orgel/ Musik

 

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