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Wort zum Sonntag

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Zuspruch:
Wir haben einen Schatz in irdenen Gefäßen, auf dass die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht.

Andacht zum Predigttext: Markus 14, 3-9
Tatsächlich, diese Frau (hier ohne Namen) ist nicht vergessen. Wir denken an sie, wie sie ihre Liebe zeigt, solange Zeit dazu ist. Und wie sie Liebe schenkt, ohne zu rechnen. Und wir denken jetzt an all die, die wir nicht mit Namen kennen, aber es ihr gleich tun.
Sie steht mit ihrer Zeichenhandlung und ihrer Hingabe nicht in der Folianten der Weltgeschichte und nicht in der Zeitung.Worin wollten wir lieber geschrieben stehen? Dafür aber steht sie im Buch des Lebens. Das Evangelium verleiht ihr Ansehen und hält sie im Gedächtnis - seit tausenden von Jahren schon!

Auch in Zeiten von Corona rücken ausnahmsweise einmal andere Menschen in den Mittelpunkt: Postboten, Kassiererinnen, Pflegende, Intensivschwestern, Ärztinnen und Ärzte. Sie werden nicht mehr nur als möglichst effektiv funktionierende Dienstleister gesehen, sondern als Mitmenschen wahrgenommen und angesehen mit ihrem persönlichen Einsatz und mit ihrem Dienst für die Gemeinschaft. Sie werden jetzt häufig wegen ihres Berufes als systemrelevant bezeichnet. Warum nennen wir sie nicht lieber lebensrelevant? Sie sind als Menschen lebenswichtig, sogar überlebenswichtig!

Unvergessen ist diese Frau. Denn sie gibt ihr Bestes. Echtes, kostbares Nardenöl, gewonnen aus den Wurzeln der indischen Nardenpflanze, ein Luxusartikel, das Beste vom Besten. Und sie gibt es von Herzen.

Aus dem stillen Kämmerlein - Palmsonntag 2020

Es ist Palmsonntag. Wir gehen in die Passionswoche. Diese Woche wird noch stiller als sonst. Wir können uns in dieser Woche nicht wie sonst in der Kirche zum Gottesdienst versammeln. Dabei ist der Palmsonntag auch der Tag, an dem die Kreuzkirche eingeweiht wurde. Dennoch begleiten Jesus auf seinem Weg. Wir vergegenwärtigen uns, wie es sein letztes Passa im Kreis seiner Jünger und das Abendmahl feierte, wie er verraten und gefangen genommen, verleugnet und verurteilt wurde. So sind wir in unseren Häusern mit Jesus verbunden.

Lied: Ich möcht, dass einer mit mir geht EG 209, 1-4

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi + die Liebe Gottes + die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

Psalmwort
„Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig. Denn auf dich traut meine Seele und unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht, bis das Unglück vorüber gehe. Psalm.57,2-3

Evangelium: Einzug Jesu in Jerusalem: Johannes 12, 12-19

Gebet
Herr, Jesus Christus,
da sind wir in unseren Häusern und suchen deine Nähe.
Die Menschen in Jerusalem haben dir auf den Straßen und Plätzen zugerufen: Hosianna! Herr, hilf doch.
Unsere Straßen und Plätzen sind menschenleer geworden.
Aber aus unseren Häusern rufen wir zu dir. Auch aus den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen und Zeltlazaretten kommt der Ruf: Herr, hilf doch! Wir brauchen dich. Mehr denn je.
Komm uns zu Hilfe mit Deiner Barmherzigkeit und Liebe. Mit deiner heilvollen Kraft. Und erlöse uns! Herr, erbarme dich!

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Sie zerbricht ihr Alabastergefäß und gießt ihr Salböl über Jesus aus. Sie schüttet damit auch ihr Herz vor ihm aus, ihre Ehrerbietung, ihre Liebe, ihre Hingabe, das Beste vom Besten, als wollte sie sagen: „Das bist du für mich, Jesus: Bist selbst so ein Gefäß. Trägst das Beste vom Besten in dir. Trägst in dir Gottes heilvolle Kraft und sein heilsames Erbarmen, Gottes Liebe und seine heilschaffende Gerechtigkeit. Du bist selbst so ein Gefäß, das zerbrochen und ausgeschüttet, vertreibst das Unrecht und Übel, das zum Himmel stinkt.

Die Frau schüttet aus, ihre Verehrung, ihr Herz. Die Männer behalten kühlen Kopf und rechnen: „Ein Pfund (Joh. 12) kostbares, echtes Nardenöl, teure Importware, Duft der großen weiten Welt, das macht mehr als dreihundert Silbergroschen! Ein Silbergroschen ist ein ganzer Tageslohn, was für ihre Verhältnisse schon viel ist. Man bedenke, 300 Silberstücke, das ist ein voller Jahreslohn, ausgerechnet dieser Jahreslohn einfach weggeschüttet, für nichts und wieder nichts, verduftet.“ Sie machen eine Kosten - Nutzen Kalkulation auf, rationalisieren ihre Menschlichkeit weg und präsentieren der Frau das Ergebnis:  Wozu diese Verschwendung? Man hätte das Salböl für mehr als 300 Denare verkaufen können, ja müssen. Man hätte das Geld den Armen geben können. Man hätte damit so viel Gutes tun können.“ Man hätte. Frau hat aber nicht.

Dass die Jünger von sich absehen können und an die denken, die es nötiger haben als sie – in Ehren! Sie haben das von Jesus. Dass sie bereit sind für die Armen und Benachteiligten, für die vom Schicksal Gezeichneten Geld auszugeben – in Ehren! Auch das haben sie von Jesus. Und das darf ihnen auch niemand nehmen und streitig machen.

Und doch hat die Rechnung einen Fehler.

Es gibt ein zu Spät. Ein zu Spät, um dem, von dem sie das alles haben, ihre Hingabe und Liebe zu erweisen. „Arme habt ihr alle Zeit bei euch. Und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun. Mich aber habt ihr nicht allezeit.“

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Erst im Nachhinein, als sie hilflos an Krankenbetten standen und betroffen an Gräbern, begriffen sie, wie sehr er ihnen fehlte. Man hört nur große Worte von den Jüngern, salbungsvolle Worte: „Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis zu gehen (Lk. 22,33)“ Diese Frau im Haus Simons des Aussätzigen sagt kein Wort, sie erklärt nicht, nur ihre Tat spricht wortlos für sich und setzt ein Zeichen. Zeichen der Hingabe, der Liebe, der Ehrerbietung. Verschwenderisch. So beibt sie im Gedächtnis. Nicht ihr Name macht Geschichte, sondern ihre Geschichte macht ihr einen Namen.

Mag sein, jemand unter uns rechnet seine Jahre nach, die Zeit und Energie, die er aufgeopfert hat für Kinder, für Familie, oder für einen Pflegebedürftigen. Wem zuckt da nicht einmal der Gedanke durch den Kopf: Hat sich’s gelohnt? Wer dankt dir das? Was hast du davon gehabt?
Sieh, du hast das Gefäß deiner Zeit und Lebenskraft hingegeben für andere, hast den Wohlgeruch der Liebe verbreitet. Hast es selbst so gemacht wie diese Frau. Mag es dir auch niemand danken. Magst du selbst auch manchmal wie die Jünger denken: Verschwendung. Aber Christus, der dir Gutes getan hat und tun wird, vergisst es dir nicht.

Lied: Selig seid ihr EG 667, 1-4

Fürbitten

Barmherziger Gott,
Unser Leben machst du zu einem Gefäß deiner Liebe.
Wir danken dir dafür.
Wir bitten dich: (eigene Fürbitten)
Vater Unser

Segen

Es segne uns und behüte uns Gott, der Allmächtige, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen

Lied: Ach bleib mit deiner Gnade EG 347, 1-6

Pfarrer Juri Dörsam

 

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